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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Jupiterbeobachtung - Seite 2

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Nomenklatur:

Zu unterscheiden sind: Regionen (Zonen und Bänder), Strömungszonen und Einzelobjekte.

Unter Regionen versteht man bei Jupiter die Unterscheidung zwischen breitenbezogenen Zonen und Bändern. Zur schnellen und einfachen Unterscheidung wurden hier Kurzbezeichnungen eingeführt. Die Unterteilung der Regionen richtet sich grundsätzlich nach den allgemein sichtbaren Zonen und Bändern. Werden mehr als 2 gleiche Buchstaben hintereinander genannt, so wird ihre Gesamtzahl indiziert angegeben (z. B.: NNNTB ist N3TB).

Zonen:

NPR Nord Polar Region
N3TZ Nord Nord Nord Temperierte Zone
NNTZ Nord Nord Temperierte Zone
NTZ Nord Temperierte Zone
NTrZ Nord Tropische Zone
EZ Equatoriale Zone
STrZ Süd Tropische Zone
STZ Süd Temperierte Zone
SSTZ Süd Süd Temperierte Zone
S3TZ Süd Süd Süd Temperierte Zone
SPR Süd Polar Region

Zonen und Bänder

Bänder:

NPR Nord Polar Region
N3TB Nord Nord Nord Temperiertes Band
NNTB Nord Nord Temperiertes Band
NTB Nord Temperiertes Band
NEB Nord Equatoriales Band
EB Equatoriales Band
SEB Süd Equatoriales Band
STB Süd Temperiertes Band
SSTB Süd Süd Temperiertes Band
S3TB Süd Süd Süd Temperiertes Band
SPR Süd Polar Region

 

Bei einigen Zonen und Bändern gibt es noch zusätzliche Bezeichnungen:

XXX (N) Nordteil der Region
XXX (C) Zentralteil der Region
XXX (S) Südteil der Region
XXXn Nordrand der Region
XXXs Südrand der Region
RS (Red Spot) Großer Roter Fleck (GRF)
RSH (Red Spot Hollow) Bucht des GRF

Die praktische Beobachtung zeigt, das die Sichtbarkeit der Bänder und Zonen starken Schwankungen unterworfen ist. Vor allem die polnahen Bänder und Zonen sind nur selten eindeutig auszumachen. Sehr gut kann man das zur Zeit am STB beobachten, welches momentan fast nicht sichtbar ist (faded). Bekannt sind auch die periodischen Schwankungen des SEB. Es kann über Monate hinweg unsichtbar sein. Später erscheint dann meist ein dunkler Fleck von dem aus es sich wieder neu bildet. Wer mehr über solche Veränderungen lesen möchte, sei nochmal auf diese Seite verwiesen.

Die Strömungszonen sind zur Beschreibung einer Beobachtung nicht notwendig. Erst bei der Auswertung von Driftraten oder ähnlichem spielen sie eine wichtige Rolle. Daher möchte ich hier nicht näher darauf eingehen. Wer dazu mehr wissen will kann auf dieser Seite eine gute Beschreibung finden.

Die folgende Animation (344Kb) der gesamten Jupiteroberfläche zeigt sehr schön die Drift einzelner Objekte und die verschiedenen Strömungen (auf das Bild klicken):

Animation (344kb)

Fast noch besser ist folgendes animierte Gif (1.2Mb)
Auch noch in einer tollen, größeren Version vorhanden (5Mb!)

Animation (1166k)

Die Einzelobjekte werden in helle (W = white) und dunkle (D = dark) Objekte eingeteilt. Dieser Buchstabe wird der Objektbezeichnung vorangestellt. Bei ausgedehnteren Details kann in "Anfang", "Mitte" und "Ende" unterschieden werden. Dazu werden die Buschstaben p = preceeding (vorangehend), c = center (Mitte) und f = following (nachfolgend) der Objektbezeichnung vorangestellt, z.B.: pGRF.
Nun folgt noch ein Buchstabe, der die Sichtbarkeit des Objektes beschreibt:1 - das Objekt ist leicht, 2 - das Objekt ist noch einigermaßen , 3 - das Objekt ist schwer erkennbar oder recht klein. Zuletzt folgen drei oder vier Buchstaben, um die Art des Objektes zu kennzeichnen. Es gibt folgende Bezeichnungen:

Helle Objekte:  
   
W-AREA ist ein helles unregelmäßig begrenztes Gebiet und in der Region des NEB und polaren Regionen zu finden. Im NEB auch in Kombination mit W-STRK und hellen Einkerbungen.
W-BAY ist als eine Einbuchtung meist am NEBn, seltener am NEBs zu beobachten. In den letzten Jahren auch am SEBs beobachtet worden. Hält sich über mehrere Wochen meist recht stabil.
W-GAP ist ein sehr ausgeblichener bis fehlender Teil eines Bandes. Sieht aus wie ein herausgerissenes Stück eines Bandes, die Begrenzung ist manchmal diffus. Typischerweise im NEB, etwas abgewandelt auch im STB.
W-NICK ist eine meist weiße Kerbe am Rande des NEB und seltener auch am SEB. Diese kann sich als Einschnitt fortsetzen, aber auch in ein GAP, AREA, RIFT, oder W-STRK verwandeln.
W-OVAL sind ebenfalls Artverwandte der W-SPOT. Es sind größere weiße Flecken, die meist in namensgebender Weise oval erscheinen. Sie treten in zwei Hauptgruppen auf: Die erste Gruppe besteht aus sehr großen, ausgedehnten Ovalen in der EZ(N), bzw. am NEBs, welche oft auch von Projektionen oder Girlanden umschlossen sind. Die zweite Gruppe erscheint in der NTZ, STrZ und im STB. Diese sind kleiner als erstere und nicht zu verwechseln mit den vergleichsweise sehr langlebigen WOS.
W-RIFT ist eine rißartige Unterbrechung in einem Band. Rifts sind meist sehr kurzlebig und können auch schnell ihr Aussehen und ihre Position innerhalb weniger Tage ändern. Hauptsächlich erscheinen sie im NEB.
W-SECT ist dem W-GAP zwar ähnlich, ist jedoch deutlich länger als ein W-GAP und ist gleichmäßiger in seiner Form. Es erinnert etwas an einen "radierten" Abschnitt eines Bandes.
W-SPOT treten bevorzugt in nördlichen gemäßigten Zonen (NNTZ, NTZ, NTrZ) auf, ebenso aber auch in den südlichen gemäßigten Zonen und Bändern (STrZ, STZ, STB, SSTB). Es sind weiße, kleine, runde bis ovale Flecken. Während sie sich von dunklen Bändern recht gut abheben, sind sie in den hellen Zonen meist nur sehr schwierig zu erkennen. Hier helfen beim Beobachten nur größere Instrumente mit sehr guter Kontrastleistung.
W-SPTR sind Artverwandte der W-SPOT. Diese weißen Flecken sind von einem kleinen, dunklen Ring umgeben, der auch als kleine, längliche oder diffus geformte Zone ausgebildet sein kann. Sie sind in Zonen wie in Bändern zu beobachten, treten allerdings seltener auf als die W-SPOT.
W-STRK (Streak) ist ein sehr langgezogenes helles Gebilde. Typisches Auftreten im NEB, wo es in Verbindung mit Kerben wie Einschnürungen oder Einschnitte im NEB aussehen kann.
   
Dunkle Objekte:  
   
D-BAR ist ein länglicher, meist recht dunkler Fleck, der fast ausschließlich am NEBn zu beobachten ist. Er kann sich über mehrere Längengrade erstrecken.
D-PROJ ist eine Protuberanz bzw. Projektion (auch "Fahne"), die vom NEBs ausgeht in die EZ(N) hinein. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, wenn die Projektion aus einem barrenartigen Fleck entspringt und sich an einem EZ(N)-W-OVAL entlangzieht. Im Gegensatz zum D-BAR wird dieser Fleck jedoch als PROJ klassifiziert. Ist die südliche Ausdehnung des W-OVAL praktisch am Äquator, so können die Projektionen mit der dunklen Materie ein meist etwas seltener beobachtbares EB "füllen".
D-FEST (Festoon = Girlande) sind nahe Verwandte der Projektionen und entstehen auf die gleiche Art und Weise wie die Projektionen. Durch ihre markante Erscheinungsform erinnern sie an Girlanden, die ihnen auch den Namen gaben. Sie sind allerdings nicht so oft zu beobachten wie die viel häufigeren Projektionen.
D-COL treten meist zu mehreren auf und zwar zumeist im SEB. Zuweilen erscheinen sie auch schräggestellt hinter dem Großen Roten Fleck. Der Kontrast ist jedoch meist recht schwach und daher nicht leicht zu erkennen.
D-VEIL ist eine schleierartige Verdunklung in einer Zone, wobei der Übergang von hell nach dunkel nicht abrupt, sondern sich ganz allmählich vollzieht. Dieser Übergang von hell nach dunkel kann sich durchaus über einen Viertel-Jupiterumfang in Längsrichtung erstrecken. Außerdem wurden schon öfter schleierartige "Protuberanzen" von einem Band zum nächsten beobachtet, so z. B. vom NEB zum NTB.
D-STRK ist ein langgezogener dunkler Streifen. Er kann als besonders dunkles Objekt innerhalb eines Bandes auftreten, ebenso aber auch in einer Zone wie z.B. EZ(N) oder auch STrZ.
D-SPOT sind kleine, runde bis ovale dunkle Flecken, die hauptsächlich in gemäßigten Breiten, wie etwa in der STrZ, STZ, SSTZ; NTrZ, NTZ, NNTZ usw. auftreten. Eine eigene Familie bilden die D-SPOT am Südrand des NTB. Hier herrscht ein schneller Jetstream, wo es zeitweise sogenannte Fleckenausbrüche gibt. Manchmal erscheinen gerade diese Flecken annähernd so markant wie ein Jupitermondschatten, jedoch kleiner.
D-SDER sind kleine, runde bis ovale dunkle Flecken, die jedoch im Gegensatz zu den D-SPOT noch von einem hellen Ring umgeben ist, der auch oval oder länglich/diffus sein kann. Ebenfalls in den südlichen Regionen beobachtbar, aber auch seltener als D-SPOT.
D-SECT ist ein auffallend dunkler Abschnitt in einem Band, kann aber auch der nur sichtbare Teilabschnitt eines Bandes sein.
D-DIST ist eine nicht in das sonstige Schema zuzuordnende dunkle, diffuse Erscheinung, meist im SEB beobachtbar. Zum Beispiel als Quellerscheinung eines wiederentstehenden SEB. Aber auch in einem vorhandenen SEB kann diese Störung auftreten, mit völlig unbekannten Mustern und Formen oder auch völlig diffus und ohne näher erkennbare Struktur. Dazu gehören auch abweichende Strukturen in anderen Bändern und Zonen.
SHAD ist der von der Sonne auf die Wolkenoberfläche projizierte Schatten eines der vier Galileischen Jupitermonde.

 

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