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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Teleskopvergleich am Planeten Jupiter

In diesem Artikel möchte ich mithilfe von Bildern eine Vorstellung davon geben, was Teleskope bei der Planetenbeobchtung leisten und was man sich von den konkreten Geräten erwarten kann. Dabei habe ich mich auf die meistverbreiteten Geräte bis 8" Öffnung beschränkt. Die hier gezeigten Bilder sind keine Aufnahmen des Planeten Jupiter, sondern wurden mit dem Programm Aberrator erstellt und mit einem Bildbearbeitungsprogramm weiterbearbeitet. Sie sollen den realen Anblick durch das Teleskop möglichst genau wiedergeben. Dabei ist jedoch zu beachten, daß Detail- und Farbwahrnehmgung individuell unterschiedlich sein können und von Beobachter zu Beobachter stark differieren. Auch die Übung im teleskopischen Sehen spielt eine große Rolle. Mit zunehmender Beobachtungserfahrung werden immer feinere Details sichtbar.

Die folgenden Bilder sollten aus 1m Abstand (bei 1024x768, 17"Monitor, bei anderer Monitorgröße mit entsprechend passender Auflösung) betrachtet werden und zwar einäugig. Ein in unseren Breitengraden übliches Seeing (Luftunruhe) etwa der Güte 3/5 ist mit eingerechnet, um einen realistischen Eindruck zu bekommen. Diese Luftunruhe beschränkt die höchste sinnvolle Vergrößerung auf etwa 180fach, daher wird hier auch keine höhere Vergrößerung gezeigt, es wäre eine leere Vergrößerung, die keine weiteren Details zum Vorschein bringt, sondern im Gegenteil sogar wieder Details schluckt.

Ich hoffe, dieser Artikel kann bei anstehender Kaufentscheidung etwas helfen, das passende Teleskop zu finden. Zumindest sollten sich arge Fehlgriffe vermeiden lassen. Natürlich zeigen diese Bilder nur die Leistung bei der Planetenbeobachtung. Das hier gezeigte und gesagte ist daher nur auf die Planeten Mars und Saturn übertragbar, teilweise auch auf die Beobachtung des Mondes. Ein Vergleich von Teleskopen an Deepsky-Objekten ist unter anderem hier zu finden.

V=40fach

60/800mm Kaufhausrefraktor:

Wir beginnen unsere Beobachtung mit dem sehr weit verbreiteten Kaufhausrefraktor von 60mm Öffnung und 800mm Brennweite. Auch Modelle mit 700mm Brennweite sind häufig vertreten, was aber hier keinen Unterschied macht. Bei einer Vergrößerung von 40fach sind bereits die beiden dunklen Hauptbänder des Jupiter erkennbar, das Südliche- und das Nördliche Äquatorband (SEB, NEB). Der Große Rote Fleck (GRF) ist bei sehr genauer Betrachtung bereits in der Mitte des SEB angedeutet. Zur Zeit ist der GRF nicht wirklich rot, sondern vielmehr hellorange. Links und rechts des Planeten stehen drei der vier Galileischen Monde, Io, Ganymed und Kallisto, während der vierte Mond Europa soeben direkt vor Jupiter vorbeiwandert und daher nicht zu erkennen ist. Wie wir später sehen werden, kann Europa aber mit größeren Geräten auch vor der Jupiterscheibe selbst beobachtet werden. Während Europa vor Jupiter vorbeiwandert, wirft er auch noch seinen eigenen Schatten auf die Jupiteroberfläche. Dieses Ereignis kann deutlich einfacher beobachtet werden, als der Monddurchgang selbst, da der Kontrast des schwarzen Mondschattens auf der Jupiteroberfläche viel höher ist, als der des blassen Mondes zu den Wolkenbändern.
Bei dieser geringen Vergrößerung ist das Bild im Kaufhausrefraktor im Normalfall noch schön scharf. Die Monde des Jupiter und auch die Sterne sind feine Pünktchen. Ist das nicht der Fall, so sollte man die Optik genauer prüfen und gegebenenfalls umtauschen.

V=100fach

Nun vergrößern wir aber endlich mal stärker! Bei 100fach ist das Bild noch einigermaßen scharf, wenn auch nicht wirklich knackig. Leider ist die Optik nicht gut genug um mehr Schärfe zu bringen. Trotzdem kann man bereits ein paar interessante Dinge beobachten. So bemerkt man, daß unten ein weiteres, dunkles Wolkenband aufgetaucht ist. Der GRF in der Mitte des SEB ist nun einigermaßen sicher zu erfassen, wenngleich von seiner zarten Farbe kaum was zu sehen ist. Dafür aber kommen die dunkleren Polgebiete des Planeten deutlich hervor. Und an der Grenze des Wahrnehmbaren taucht nun der Schatten des Mondes Europa am linken Rand auf. Man muß schon etwas Übung im Beobachten haben, um den winzigen schwarzen Punkt mit diesem kleinen Teleskop sehen zu können.

V=150fach

Eine weitere Steigerung der Vergrößerung auf 150fach bringt keinen Gewinn mehr an Details. Im Gegenteil! Durch die geringe Qualität der Optik sind sogar eher wieder weniger Details als bei 100fach zu sehen. Das Bild wird deutlich unscharf und verschwommen. Man sieht daran sehr schön, daß die Qualität einer Optik starken Einfluß auf die maximal erreichbare Vergrößerung hat. Bei sehr guter Qualität beträgt die maximale Vergrößerung etwa 2 mal die Öffnung in Millimeter, sofern die Luftunruhe diese Vergrößerung auch zuläßt.

V=140fach

70/700mm Fraunhofer-Refraktor (zb. Lidl-Scope):

Diese beliebten Refraktoren vom Typ Fraunhofer, mit 70mm Öffnung und 700, 800 oder auch 900mm Brennweite sind ebenfalls weit verbreitet. Die Steigerung gegenüber dem 60mm Kaufhausrefraktor ist sofort zu sehen und sehr deutlich. Bei guter Qualität der Optik ist eine Vergrößerung von 140fach machbar. Es zeigt sich deutlich der Schatten von Europa am linken Planetenrand. Vom Mond selbst sieht man jedoch noch nichts, dazu sind größere Geräte notwendig. Der GRF zeigt bereits seine hellorange Farbe und ist als richtiger Fleck auszumachen. Im nördlichen Äquatorband kann ein dunkler Knoten erkannt werden, ein sogenannter Barren (BAR). Der Planet zeigt nun bereits genügend Details, um eine Zeichnung oder ein Bild mit der Webcam zu machen.

V=180fach

90/1000mm Fraunhofer-Refraktor:

Auch von diesem Gerät gibt es etliche verschiedene Modelle und Varianten, so zb. mit 900mm Brennweite, aber auch Varianten mit längerer Brennweite von 1300mm sind im Handel erhältlich. Es fällt auf, daß Jupiter von einem schwachen violetten Saum umgeben ist. Dieser Farbsaum entsteht durch den Farbfehler des Refraktorobjektivs. Je kürzer die Brennweite des Objektivs ist, umso stärker ist auch dieser Farbfehler. Bei 1000mm Brennweite ist er noch nicht sehr störend und mindert die Qualität der Abbildung nur relativ wenig. Um schöne Plantenbilder zu bekommen, sollte die Brennweite aber 900mm nicht unterschreiten! Ideal zur Planetenbeobachtung sind Modelle mit 1300mm Brennweite oder mehr. Die Vergrößerung können wir jetzt auf 180fach erhöhen. Mehr läßt die Luftunruhe in den meisten Beobachtungsnächten nicht zu. Das Gerät selbst würde aber auch nicht viel mehr an Vergrößerung vertragen.

Die Details sind nun noch etwas deutlicher zu sehen als im 70mm-Refraktor. In der Mitte des zentralen hellen Wolkenbandes, der Äquatorzone, kann gerade noch der Mond Europa bei seinem Durchgang beobachtet werden. Auch der dunkle Knoten im Nördlichen Äquatorband ist jetzt sehr schön zu sehen.

V=180fach

120/600mm Fraunhofer-Refraktor:

Hier haben wir das etwas abschreckende Beispiel eines Refraktors, der aufgrund seiner kurzen Brennweite unter einem starken Farbfehler leidet. Je höher man mit solch einem Refraktor vergrößert und je heller das beobachtete Objekt ist, umso stärker wird der Fehler sichtbar. Der Kontrast wird durch den Blauvioletten Schleier deutlich gemindert. Trotz größerer Öffnung zeigt dieses Gerät weniger Details auf Jupiter, als zb. der 90/1000er.

V=180fach

Mit Hilfe eines Gelb- oder Minus-Violett-Filters kann der störende Farbsaum abgeblockt werden. Der verlorene Kontrast wird dabei jedoch nur teilweise wiedergewonnen. Es bleiben also deutliche Abstriche in der Wahrnehmbarkeit von Details hinzunehmen. Außerdem bekommt man noch eine unschöne gelbe Einfärbung. Zur Beobachtung von Planeten, sowie des Mondes und der Sonne ist dieses Gerät also nicht geeignet. Dafür aber taugt es zur Beobachtung von Deepsky-Objekten bei geringen Vergrößerungen.

V=180fach

120/1000mm Fraunhofer-Refraktor:

Dieser 120mm Fraunhofer-Refraktor hat eine etwas längere Brennweite also obiger, wodurch der Farbfehler kleiner ist. Immer noch aber wird die Qualität durch den Farbfehler deutlich gemindert. Auch dieses Gerät ist daher kein Planetengerät, sondern vielmehr ein Allroundgerät mit Farbfehler. Noch mehr gilt das für den ebenfalls weitverbreiteten 150/1200er Fraunhofer, der noch mehr Farbe zeigt.

V=150fach

114/500mm Newton Pluto/S:

Von diesem Gerät gibt es verschiedene Varianten, die sich durch verschieden große Fangspiegel unterscheiden. In diesem Beispiel haben wir die Variante mit großem Fangspiegel, der den Hauptspiegel vollständig ausleuchtet. Die Qualität der Abbildung ist jedoch sehr beischeiden, da der Hauptspiegel nur sphärisch und nicht parabolisch ist. Zur Beobachtung von Planeten taugt dieses Gerät nur wenig, jedoch ist es sehr gut für die Beobachtung von Deepsky-Objekten bei geringer Vergrößerung geeignet.

V=180fach

114/900mm Newton:

Hier haben wir den klassischen Einsteiger-Newton, das wohl am weitesten verbreitete Teleskop überhaupt. Die Leistung dieses Gerätes am Planeten kann durchaus überzeugend sein. In der Wiedergabe der Details ist er sogar noch etwas besser als der 120/1000er Fraunhofer und dem 90/1000er Refraktor deutlich überlegen.
Wichtig: exakte Justage und eine ausreichend lange Auskühlzeit, im Winter eine gute dreiviertel Stunde.

V=180fach

150/750mm Newton:

Auch dieses Teleskop ist sehr beliebt. Mit 150mm Öffnung sind bereits eine Menge an feinen Details auf Jupiter zu sehen. Obigem 114/900 Newton ist dieses Gerät aufgrund der größeren Öffnung überlegen. Dafür bedarf es aber einer höheren Genauigkeit bei der Justage. Die Auskühlzeit dieses Gerätes hält sich noch in Grenzen und beträgt im Winter etwa 1Stunde. Ein hervorragendes Allroundgerät und im Gegensatz zu obigen Fraunhofer-Refraktoren ohne störenden Farbfehler.

V=180fach

150/1200mm Newton:

Meist wird dieser Newton als Dobsonvariante erworben.Aufgrund der längeren Brennweite ist der Hauptspiegel einfacher zu fertigen und daher oft genauer als jener des 150/750ers. Hinzu kommt ein kleinerer Fangspiegel sowie geringere empfindlichkeit auf Dejustage, weshalb dieses Gerät normalerweise die besseren Planetenbilder zeigt als die kurzbrennweitige 750mm-Variante.

V=180fach

200/1000mm Newton:

Der klassische Einsteiger-Dobson und der meistverkaufte Dobson überhaupt. Bei 200mm Öffnung und guter optischer Qualität, die leider nicht immer selbstverständlich ist, sind mit 180fach ein Menge an feinen Details zu beobachten. Dieses Gerät stellt auch den versierten Planetenbeobachter mit gehobenen Ansprüchen zufrieden. Der GRF zeigt nun seinen etwas dunkleren Kern und südlich des GRF zeigen sich einige kleine weiße Flecken (W-Oval).

Koma dejustiert

Leider wird bei Newton-Teleskopen die Justierung der Optik oft vernachlässigt oder schlampig gehandhabt. Eine nicht korrekte Justage führt sofort zu deutlichein Einbußen in der Detailwiedergabe. Das Bild wird weicher, die feinen Details verschwinden. Das linke Bild zeigt die Dejustage am unscharf gestellen Stern. Rechts daneben Jupiter, wie er durch so ein Gerät aussehen würde.

V=180fach

200/2000mm Schmidt-Cassegrain:

Das sehr beliebte 200mm Schmidt-Cassegrain zeigt uns ebenfalls einen sehr schönen Jupiter, der aber nicht ganz die Schärfe des gleich großen Newton erreicht. Das liegt an der höheren Abschattung durch den Fangspiegel. Je höher man vergrößert, umso mehr wirkt sich diese Obstruktion kontrastmindernd auf die Abbildungsleistung aus. Auch dieses Gerät muß sehr exakt justiert werden, sogar noch genauer, als der normale Newton!

V=180fach

Die Auskühlzeit eines 200mm Schmidt-Cassegrains darf keinesfalls unterschätzt werden. Im Winter aus der warmen Stube ins freie getragen kann man sich auf 3-4 Stunden Wartezeit einstellen. Beginnt man die Beobachtung bei noch nicht ausgekühltem Gerät, muß man Bildunschärfen, wie hier im Bild links, inkauf nehmen.

V=250fach

Unter Idealbedingungen...

Alle hier gezeigten Beobachtungen haben gemeisam, daß Sie durch die Luftunruhe auf eine Vergrößerung von 180fach beschränkt sind. Doch es gibt jedes Jahr auch einige Nächte, die es erlauben die volle Leistung eines Teleskops zu nutzen. Diese Momente sind dann wie eine Offenbahrung und man wird sich noch lange an sie erinnern. Das Bild links zeigt Jupiter in einem 200mm Newton bei 250facher Vergrößerung. Sogar hier ist das Limit noch nicht ganz erreicht. 300-400fach ist in perfekten Nächten durchaus möglich, sofern die Qualität des Gerätes mitspielt.

 

Links:

Teleskopvergleich an Deesky-Objekten
Teleskopvergleich am Planeten Saturn
Die Einsteigerecke v. Sven Wienstein
Objekte im 114mm Newton
Teleskope - Einsteigerseite von Teleskop-Service
Welches Teleskop - von Intercon Spacetec

Tips zur Jupiterbeobachtung
Relevante Faktoren bei der Planetenbeobachtung
Opitk - FAQ (.pdf), von Georg Dittie
Aberrator-Software

 

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